Ansprache des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, anläßlich der Veranstaltung zum Gedenken an den 40. Jahrestag der Proklamation des sozialistischen Charakters der Revolution an der historischen Straßenkreuzung 12 y 23, am 16. April 2001.

Mitbürger:

Vor genau vierzig Jahren wurde zur gleichen Stunde am gleichen Ort der sozialistische Charakter der Revolution proklamiert. Wir hatten gerade die Opfer des Luftangriffes vom Morgengrauen des 15. April 1961 beerdigt.

Die Bombenflugzeuge B-26, Eigentum der Regierung der Vereinigten Staaten, die uns angriffen, waren von der Farbe unserer bescheidenen Luftstreitkräfte und führten auch ihre Insignien. An jenem verräterischen und blutigen Morgen erfolgte der Angriff auf unsere drei Hauptstützpunkte - Ciudad Libertad, San Antonio de Los Baños und Santiago de Cuba. Die attackierenden Flugzeuge hatten 10 000 kg Bomben, 64 Fünf-Zoll-Raketen und 23 040 Geschosse vom Kaliber 50 im Gepäck. In Sekundenschnelle erwiderten die noch in der Ausbildung stehenden jungen Artilleristen den Überraschungsangriff mit ihrer Flak. Der Feind konnte lediglich drei Kampfflugzeuge auf dem Boden zerstören.

Sieben Vaterlandsgenossen fielen und 53 wurden verletzt, darunter fünf Kinder, die in der Umgebung des Flugplatzes Ciudad Libertad wohnten.

Die Angreifer waren auf einer Basis in Nicaragua gestartet. Einer wurde vom Himmel geholt, zwei mußten an unterschiedlichen Orten notlanden, und alle zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrenden Flugzeuge hatten zahlreiche Einschläge von Flugabwehrgeschossen abbekommen.

Nach den Gefechten von Girón hatte der listige Feind einen Verlustsaldo von 14 Piloten - darunter vier US-Amerikaner - sowie 62 Prozent der von den Vereinigten Staaten bereitgestellten Flugzeuge zu verzeichnen.

Nach dem Abwehren des Angriffs vom 15. April verfügte die Revolution über noch mehr Kampfflugzeuge als über Piloten, die dann 48 Stunden später, bei Tagesanbruch des 17. April, den einfallenden Verbänden einen vernichtenden Schlag versetzen sollten. Dieser Luftangriff ließ uns - 36 Stunden vor der Landung - der drohenden Invasionsgefahr bewußt werden. Sämtliche Einheiten wurden mobil gemacht und in totale Alarmbereitschaft versetzt.

So leitete die Supermacht unter flagranter Verletzung des Völkerrechts ihre plumpe und feige militärische Aggression gegen unser kleines Land ein.

Wie zu erwarten war, trat sofort der mächtige Apparat der imperialistischen Publicity und des Betruges in Aktion. Welche Erklärung gaben nun die Vereinigten Staaten der Welt über den Tatbestand?

Um dies für die neuen Generationen zu veranschaulichen, die danach geboren wurden, verlese ich Ausschnitte der gleichen Meldungen, die ich an jenem 16. April benutzte, um das zynische Verhalten der Regierenden jenes Landes anzuprangern.

„Miami, 15. April (UPI). Aus den Luftstreitkräften Fidel Castros ausgebrochene kubanische Piloten landeten heute nach der Sprengung kubanischer Militäreinrichtungen mit Bombenflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg in Florida. (...) Einer der B-26-Bomber der Luftstreitkräfte Kubas landete, durchlöchert von Flak- und Maschinengewehrfeuer und mit nur einem seiner beiden Motoren in Funktion, auf dem internationalen Flugplatz von Miami. Ein weiteres Bombenflugzeug landete auf dem Marinestützpunkt in Key West und ein drittes in einem anderen Land, das im Plan für das Anfliegen nach dem Angriff nicht dafür vorgesehen war. Es schweben unbestätigte Gerüchte, ein weiteres Flugzeug sei im Meer in der Nähe der Insel Tortuga zerschellt. Die Marine der Vereinigten Staaten prüft den Fall. Die Piloten, die nicht genannt zu werden baten, stiegen in Kampfuniform aus ihren Flugzeugen und bewarben sich unmittelbar um Asyl in den Vereinigten Staaten."

Eine weitere Meldung einige Minuten später:

„Miami (UPI). Der in Miami gelandete Pilot des Bombenflugzeuges erklärte, er sei einer der 12 in den Luftstreitkräften Kubas verbliebenen B-26-Piloten. (...) 'Meine Kollegen waren zum Angriff auf die Flugplätze, die wir dafür bestimmt hatten, zeitiger gestartet. Da mir der Treibstoff ausging, mußte ich Miami anfliegen, denn zu unserem vereinbarten Ziel war ich nicht in der Lage zu gelangen.

Miami, 15. April (AP). Aus Angst, ihr Plan, der Regierung Fidel Castros zu entrinnen, könne verraten werden, flohen heute drei kubanische Bomberpiloten, nachdem sie die Flugplätze in Santiago und Havanna bombardiert und sie unter Maschinengewehrfeuer genommen hatten, in die Vereinigten Staaten.

Einer der beiden zweimotorigen Bomber landete auf dem internationalen Flughafen Miami und der Pilot berichtete, wie er und noch drei der zwölf Piloten der Maschinen B-26, die den kubanischen Luftstreitkräften verblieben, seit Monaten schon ihre Flucht aus Kuba planen. (...) Die Einreisebehörde nahm die Kubaner in Gewahrsam und beschlagnahmte die Flugzeuge." Sie beschlagnahmten ihre eigenen Flugzeuge.

„Mexiko, F.D., 15. April (AP) Das Bombardieren kubanischer Flugzeugbasen durch desertierte kubanische Flugzeuge wurde von den meisten Tageszeitungen mit Zeichen des Wohlgefallens aufgenommen. Sie schlossen sich den Gruppen der Exilkubaner an und schrieben, der Bombenangriff sei der Beginn einer Befreiung vom Kommunismus. (...) Bei den Exilkubanern herrschte eifriges Treiben. Eine kubanische Quelle kommentierte, die neue kubanische Regierung im Exil werde kurz nach der ersten Invasionswelle gegen das Regime Fidel Castros ihren Sitz nach Kuba verlegen, um dort eine provisorische Regierung zu bilden, von der man meine, sie werde schnellstens von vielen gegen Castro eingestellten lateinamerikanischen Regierungen anerkannt. Amado Hernández Valdés des hiesigen Frente Revolucionario Democrático Cubano sagte, der Zeitpunkt der Befreiung rücke näher. Er erklärte, es seien vier kubanische Stützpunkte gewesen, die von drei kubanischen Flugzeugen angegriffen wurden, die danach desertierten."

Beide Agenturen erstatteten der Öffentlichkeit die folgende Meldung:

„Erklärung, abgegeben von Dr. Miró Cardona: Ein heldenhafter Schlag zugunsten der kubanischen Freiheit wurde heute morgen durch eine gewisse Anzahl Offiziere der kubanischen Luftstreitkräfte versetzt. Bevor sie mit ihren Maschinen in die Freiheit flogen, versuchten diese wahren Revolutionäre, die größtmögliche Anzahl von Castros Militärflugzeugen zu vernichten. Der Consejo Revolucionario (Revolutionsrat) ist stolz darauf, verkünden zu dürfen, daß ihre Pläne von Erfolg gekrönt waren, daß er Kontakt zu ihnen hielt und diese mutigen Piloten anspornte. Ihr Verhalten ist ein weiteres Beispiel der Verzweiflung, in die die Patrioten aller sozialen Schichten durch die unerbittliche Tyrannei Castros getrieben werden können. Während Castro und seine Anhänger die Welt zu überzeugen trachten, Kuba sei von einer Invasion von außen bedroht gewesen, wurde dieser Schlag zugunsten der Freiheit - ebenso wie andere vorher - von in Kuba ansässigen Kubanern versetzt, die sich entschlossen hatten, gegen die Tyrannei und Unterdrückung zu kämpfen oder bei dem Vorhaben umzukommen. Aus Gründen der Sicherheit werden keine weiteren Einzelheiten bekanntgegeben."

Ausgerechnet Miró Cardona war der Chef der Provisorischen Regierung, von den Vereinigten Staaten zusammen mit anderen politischen Rädelsführern in der Baracke eines Stützpunktes rekrutiert, auf gepackten Koffern sitzend und mit einem bereitstehenden Flugzeug, um in Playa Girón zu landen, sobald der Brückenkopf abgesichert sei.

Die Fülle von Lügen ist hier noch nicht zu Ende. In den Nachmittagsstunden des gleichen Tages berichteten die Nachrichtenagenturen:

„Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Adlai Stevenson, wies die Behauptungen Roas zurück (...) und zeigte der Kommission Fotos von United Press International, auf denen zwei Flugzeuge zu sehen sind, die heute in Florida landeten, nachdem sie an einem Angriff auf drei kubanische Städte teilgenommen hatten. 'Sie tragen das Zeichen der Luftstreitkräfte Castros am Rumpfhinterteil; sie tragen den Stern und die kubanischen Initialen. Sie sind deutlich zu erkennen. Mit Vergnügen zeige ich diese Fotos.' Stevenson fügte hinzu, die beiden besagten Flugzeuge seien von Offizieren der kubanischen Luftstreitkräfte geführt worden und die Crew habe aus Männern bestanden, die aus dem Castro-Regime desertiert seien. 'An dem heutigen Vorfall ist keinerlei Personal der Vereinigten Staaten beteiligt gewesen, auch die Flugzeuge gehörten nicht den Vereinigten Staaten. Es waren Flugzeuge von Castro selbst, die auf seinem eigenen Boden gestartet waren.'"

Es kann sein, daß die Nachrichtenagenturen durch die Ränke und falschen Versionen der US-Regierung hinters Licht geführt wurden.

Es liegt klar auf der Hand, wie diese Legende im voraus zurechtgezimmert und den Piloten vorgespielt wurde. Jeder von ihnen ausposaunte die gleiche Lüge mit den gleichen Einzelheiten.

Vom gescheiterten Präsidenten der Provisorischen Regierung konnte nichts anderes erwartet werden als die Wiederholung der gleichen Version.

Der Fall des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen war peinlich. Er war Präsidentschaftskandidat gewesen und genoß bei der Öffentlichkeit und den Politikern jenes Landes ein gewisses Prestige. Viele sind der Meinung, er wurde rücksichtslos betrogen.

Vierzig Jahre sind vergangen, doch die Lügen- und Betrugsmethoden des Imperiums und seiner Söldnerverbündeten haben sich nicht geändert. Als vor knapp vier Jahren Bomben in den Hotels der Hauptstadt zu explodieren begannen, finanziert von der Cuban-American National Foundation und aus Mittelamerika von blutrünstigen Terroristen nach Kuba gebracht, lautete ihre verbreitete Version, es handle sich um Aktionen von Mitgliedern der Staatssicherheit Kubas, die mit der Revolution unzufrieden seien.

Kurz vor Schluß der Rede, die ich vor vierzig Jahren hielt, sagte ich: "Was uns die Imperialisten nicht verzeihen können, ist, daß wir hier angelangt sind. Was sie uns nicht verzeihen können, ist die Würde, die Redlichkeit, der Mut, die ideologische Standhaftigkeit, die Opferbereitschaft und der revolutionäre Geist des kubanischen Volkes und die Tatsache, daß die unsere eine Sozialistische Revolution ist. Diese Sozialistische Revolution verteidigen wir mit diesen Gewehren (Beifall und Ausrufe: „Es lebe Fidel!"). Diese Sozialistische Revolution verteidigen wir mit dem Mut, mit dem gestern unsere Flakartilleristen die Flugzeuge des Aggressors durchlöcherten! Nicht mit Söldnern verteidigen wir sie; wir verteidigen sie mit den Männern und Frauen aus dem Volk!

Sind es vielleicht die Millionäre, die die Waffen tragen? (Ausrufe: „Nein!")

Sind es vielleicht die Söhnchen der Reichen, die die Waffen tragen? (Ausrufe: „Nein!"). So sagte ich es damals und so antwortet ihr heute.

Sind es vielleicht die Landaufseher, die die Waffen tragen? (Ausrufe: „Nein!")

Wer ist es, der die Waffen trägt? (Ausrufe: „Das kubanische Volk!")

Welche Hände sind es, die diese Waffen heben? (Ausrufe: „Die Hände des Volkes!")

Sind es Hände von Herrensöhnen? (Ausrufe: „Nein!")

Sind es Hände von Reichen? (Ausrufe: „Nein!")

Sind es Hände von Ausbeutern? (Ausrufe: „Nein!")

Welche Hände sind es, die diese Waffen heben? (Ausrufe: Die Hände des Volkes!")

Sind es nicht etwa Arbeiterhände; sind es nicht etwa Bauernhände; sind es nicht etwa durch Arbeit gehärtete Hände; sind es nicht etwa kreative Hände; sind es nicht etwa die einfachen Hände des Volkes? (Ausrufe: Ja!")

Und wer bildet die Mehrheit des Volkes? Sind es die Millionäre oder die Arbeiter (Ausrufe: „Die Arbeiter!"); die Ausbeuter oder die Ausgebeuteten (Ausrufe: Die Ausgebeuteten!"); die privilegierten oder die einfachen Menschen? (Ausrufe: Die einfachen Menschen!")

Tragen die privilegierten Menschen die Waffen? (Ausrufe: Nein!")

Tragen die einfachen Menschen die Waffen? (Ausrufe: Ja!")

Sind die privilegierten Menschen in der Minderheit? (Ausrufe: Ja!")

Sind die einfachen Menschen in der Mehrheit? (Ausrufe: Ja!")

Ist eine Revolution, in der die einfachen Menschen die Waffen tragen, eine demokratische Revolution? (Ausrufe: Ja!")

Genossen Arbeiter und Bauern! Diese ist die sozialistische und demokratische Revolution der Armen, mit den Armen und für die Armen! (Beifall und Ausrufe: Es lebe der Comandante en Jefe!") Und für diese Revolution der Armen, der Armen wegen und für die Armen sind wir bereit, unser Leben zu geben!

Der gestrige Angriff, der sieben heldenhafte Leben forderte, verfolgte das Ziel, unsere Flugzeuge am Boden zu zerstören. Doch sie schlugen fehl; sie zerstörten nur drei, und das Gros der feindlichen Maschinen wurde beschädigt oder vom Himmel geholt."

Mitbürger von gestern, heute und morgen:

In Girón hat unser patriotisches und heldenhaftes Volk, das in nur zwei Jahren der Auseinandersetzung gegen das mächtige Imperium außerordentlich reif geworden war, ohne Furcht und ohne Zögern für den Sozialismus gekämpft.

Für immer begraben wurde die sonderbare Idee, das erduldete Leid, das vergossenen Blut und die vergossenen Tränen während des fast hundertjährigen Kampfes für die Unabhängigkeit und die Gerechtigkeit gegen den spanischen Kolonialismus und seine sklavereimäßige Ausbeutung und danach gegen die imperialistische Herrschaft und die von den Vereinigten Staaten Kuba aufgezwungenen korrupten und blutigen Regierungen, das alles sei für den Wiederaufbau einer neokolonialialistischen, kapitalistischen und bürgerlichen Gesellschaft gewesen. Das Verfolgen viel höherer Ziele in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Kubas wurde dringend erforderlich.

Es war erforderlich und es war möglich. Wir taten es zu dem historisch exakten und präzisen Zeitpunkt, weder eine Minute zu früh noch eine Minute zu spät; und wir waren mutig genug, den Versuch zu starten.

Betrachten wir südlich des Río Grande jene Gruppe balkanisierter Länder, obwohl doch alle die gleiche Sprache sprechen, die gleiche Kultur, die gleichen historischen und ethnischen Wurzeln besitzen und doch im Begriff sind, von der starken, expansionistischen und unersättlichen Macht des lärmenden und brutalen Nordens, der uns verachtet, verschlungen zu werden, dann können wir Kubaner ausrufen: Tausendfach glorreich war jener Tag, an dem hier der sozialistische Charakter der Kubanischen Revolution proklamiert wurde! (Beifall und Ausrufe: Fidel, Fidel, Fidel!") Heute wäre es eventuell schon zu spät. Der Sieg am 1. Januar 1959 bot hierfür die außergewöhnliche Gelegenheit.

Ohne den Sozialismus hätten wir das Analphabetentum nicht auf Null bringen können.

Ohne den Sozialismus hätten wir nicht für ausnahmslos alle Kinder, auch in den entferntesten Ecken des Landes, Schulen und Lehrer; hätten wir keine Sonderschulen für all jene, die sie brauchen, auch keine 100 Prozent Einschulung in der Grundschule noch 98,8 Prozent in der Mittelschulbildung; wir hätten keine Schulen für besonders begabte Kinder in Naturwissenschaften, keine Gymnasien, Kadettenschulen, EIDES und Pre-EIDES (Sportschulen und Schulen für Leistungssportler), keine Schulen für Techniker und Lehrer für Körperkultur und Sport, keine Berufsschulen, technologische und polytechnische Berufsschulen, Arbeiter- und Bauernfakultäten, Sprachschulen, Kunstschulen in allen Provinzen des Landes.

Ohne den Sozialismus gäbe es heute keine 700 000 Hochschulabsolventen, keine 15 pädagogischen Hochschulen, keine 22 medizinischen Fakultäten, keine insgesamt 51 Hochschuleinrichtungen, keine mehr als 12 Zweigstellen und eigenständigen Fakultäten mit 137 000 Studenten.

Ohne den Sozialismus hätten wir keine 67 500 Ärzte, mehr als 250 000 Lehrer und Dozenten, 34 000 Lehrer für Körperkultur und Sport. Unter allen Ländern der Welt ist dies die höchste Pro-Kopf-Zahl in diesen drei Kategorien.

Ohne den Sozialismus wäre der Sport nicht ein Recht des Volkes, noch erkämpfte Kuba bei den Olympischen Spielen pro Kopf mehr Goldmedaillen als irgendein anderes Land.

Ohne den Sozialismus hätten wir nicht den hohen Grad an politischer Kultur, wie wir ihn heute besitzen.

Ohne den Sozialismus gäbe es keine 30 133 Familienärzte, 436 Polikliniken, 275 chirurgische Kliniken, Kinderkliniken und Frauenkliniken, Fachkliniken und 13 medizinische Facheinrichtungen.

Ohne den Sozialismus gäbe es in unserer Heimat keine 133 wissenschaftliche Forschungszentren und Zehntausende von wissenschaftlichen Forschern und Forschern mit Master- und Doktortiteln.

Ohne den Sozialismus könnten 1 012 000 Rentner, 325 500 Pensionäre und

120 000 Sozialhilfeempfänger ohne Ausnahme nicht durch die soziale Sicherheit begünstigt werden, noch würde diese für die Gesamtheit der Bürger da sein, die sie bei Bedarf in Anspruch nehmen können.

Ohne den Sozialismus wären nicht 163 000 Bauern Herren des Bodens, den sie in Form von eigenen Grundstücken oder in Form von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bearbeiten; noch wären 252 000 Landarbeiter in den Poduktionskooperativen die Herren der Einrichtungen, Ausrüstungen und der Ernte.

Ohne den Sozialismus wären nicht bereits 85 Prozent der Familien Eigentümer ihrer Wohnung, gäbe es keine 95 Prozent Elektrifizierung des Landes, noch Trinkwasser für 95,3 Prozent der Bevölkerung; wären keine 48 540 km Straßen gebaut worden, noch gäbe es 1 005 Talsperren und Stauseen, die fast das gesamte Wasser speichern, das für die Benutzung in der Landwirtschaft, der Industrie und den Privathaushalten gestaut werden kann.

Ohne den Sozialismus läge die Säuglingsterblichkeit nicht unter 8 pro 1000 Lebendgeborenen; wären unsere Kinder nicht gegen 13 Krankheiten geimpft, noch betrüge die Lebenserwartung unserer Bürger 76 Jahre; läge unsere AIDS-Rate nicht bei 0,03 Prozent, die sich stark abhebt von den 0,6 Prozent der Vereinigten Staaten und anderen entwickelten und reichen Ländern, noch hätte es im Jahr 2000 mehr als 575 000 freiwillige Blutspenden gegeben.

Ohne den Sozialismus könnten wir nicht - wie es bereits der Fall ist - hundert Prozent der Jugendlichen eine anständige Arbeit versprechen und ihnen als einzige Bedingung dafür die Ausbildung stellen; noch käme es zur Umsetzung von Programmen, die allen zu einer Ausbildung Gelegenheit geben.

Ohne den Sozialismus hätten Hand- und Kopfarbeiter, die Produzenten der für das Leben unserer Gattung unerläßlichen materiellen und geistigen Güter, niemals die Rolle von Avantgardisten gespielt, die ihnen gerechterweise in der menschlichen Gesellschaft zukommt.

Ohne den Sozialismus würden die kubanischen Frauen, gestern noch diskriminiert und zu erniedrigenden Arbeiten verbannt, heute nicht 65 Prozent der technischen Arbeitskräfte des Landes darstellen, noch das Prinzip des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit genießen können, das in fast der Gesamtheit der kapitalistischen Industrieländer keine Anwendung findet.

Ohne den Sozialismus gäbe es nicht die Massenorganisationen der Arbeiter, der Bauern, der Frauen, der in den Komitees zur Verteidigung der Revolution organisierten Bürger, der Pioniere, der Schüler der höheren Gymnasialstufe, der Studenten und der Kämpfer der Kubanischen Revolution, Organisationen, die die breiten Massen unseres Volkes verstehen und eine entscheidende Rolle im revolutionären Prozeß und einer wahrhaft demokratischen Partizipation aller Bürger an der Lenkung und dem Geschick des Landes spielen.

Ohne den Sozialismus wäre eine Gesellschaft nicht möglich, deren Straßen frei von verlassenen Bettlern sind, von barfüßigen um Almosen bettelnden der Schule fernbleibenden Kindern, die für ihren Unterhalt arbeiten oder Gegenstand sexueller Ausbeutung sind, oder zum Begehen von Verbrechen als Instrument benutzt werden, oder zu Banden gehören, so wie es in anderen Teilen der Welt einschließlich der Vereinigten Staaten der Fall ist.

Ohne den Sozialismus würde heute Kuba in seinem wachsenden, zähen und unaufhörlichen Kampf für den Schutz der Umwelt nicht an diesem hervorragenden Platz stehen.

Ohne den Sozialismus wäre das Kulturerbe wehrlos der Zerstörung und Plünderung ausgesetzt; wäre der Altstadtkern der ältesten Städte Kubas durch Gebäude ersetzt worden, die mit dem architektonischen Umfeld absolut nichts zu tun haben. Der älteste Teil der Hauptstadt, der beim Besucher heute immer stärkere Bewunderung findet aufgrund der Sorgfalt, mit der restauriert und gepflegt wird, würde gar nicht mehr existieren. Der hinter dem Palacio de los Capitanes Generales (Generalkapitanat) errichtete plumpe Bau, wo eine hundertjährige Universitätseinrichtung einem Hubschrauberlandeplatz weichen mußte, ist der beste Beweis für meine Behauptungen.

Ohne den Sozialismus wären wir nicht in der Lage gewesen, der erdrückenden Überfremdung standzuhalten, die vielen Völkern der Welt progressiv aufgezwungen wird; auch wären wir nicht Zeugen der starken kulturellen und künstlerischen Bewegung, die sich heute in unserer Heimat entwickelt; die von der Revolution geschaffene angesehene Kunsthochschule wird restauriert und erweitert; in 43 über das gesamte Land verteilten Kunstschulen für Begabte und Professionelle, die in nächster Zukunft noch Erweiterung erfahren, werden wertvolle Kenntnisse vermittelt. Kürzlich haben 4000 Jugendliche in 15 Schulen für Kunsterzieher (Ausrufe), die im vergangenen Jahr eröffnet wurden und deren Kapazität über 15 000 Schüler hinausgeht, den ersten Lehrgang begonnen. Hier werden sie außerdem die geisteswissenschaftliche Ausbildung für die Reifeprüfung erhalten. Jeden weiteren Lehrgang werden ebenfalls je 4000 Jugendliche absolvieren.

Es gibt bereits 306 Kulturhäuser, 292 Museen, 368 der Bevölkerung zur Verfügung stehende öffentliche Bibliotheken und 181 Kunstgalerien.

Ohne den Sozialismus gäbe es heute nicht die Fernsehsendung „Universität für Alle", deren erste Programme eine einschlagende Wirkung zeigen und die ein großes Versprechen in der Verfolgung einer integralen Allgemeinbildung beinhaltet, die die Kubaner zum gebildetsten Volk der Welt machen wird.

Es arbeiten bereits 300 Computer-Jugendklubs, und 20 000 Computer werden an die Mittelschulen und Gymnasien verteilt. Die Vermittlung der Computerkenntnisse wird Massencharakter tragen und von der Vorschulerziehung bis zum letzten Semester der Universitäten erfolgen.

Lang und unendlich ist die Liste der Gegenüberstellungen und schroffen Gegensätze. Doch es sind einige darunter, die ich aufgrund ihres patriotischen, internationalistischen und menschlichen Stellenwertes nicht auslassen darf:

Ohne Sozialismus hätte Kuba nicht 42 Jahre lang die Anfeindung, die Blockade und den Wirtschaftskrieg des Imperialismus aushalten können, und noch viel weniger eine seit 10 Jahren andauernde Sonderperiode, die noch nicht beendet ist; es hätte nicht seine Währung von 150 Pesos für einen Dollar im Jahr 1994 auf 20 Pesos pro Dollar im Jahr 1999 aufwerten können, eine von keinem Land erreichte Errungenschaft; ebensowenig wäre es möglich gewesen, inmitten von unglaublichen Schwierigkeiten ein bescheidenes, aber behauptetes und solides Wirtschaftswachstum in Gang zu setzen.

Ohne den Sozialismus wäre Kuba heute nicht das einzige Land der Welt, das den Handel mit den Vereinigten Staaten nicht benötigt, um zu überleben und sogar voranzuschreiten, sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen Bereich. In letzterem ist es in der Gegenwart nicht einmal den reichsten Industrieländern möglich, mit Kuba wettzueifern.

Wir sind eines der wenigen Länder der Welt, das nicht zum Internationalen Währungsfonds, der zu einem eifrigen Wächter der Interessen des Imperiums geworden ist, gehört oder dies beabsichtigt. Nichts vom dem, was ich angesprochen habe, wäre möglich gewesen, wenn wir uns mit Händen und Füßen an diese finstere Bretton Woods- Institution gefesselt hätten, die diejenigen politisch ruiniert, die sich an sie wenden, die Regierungen destabilisiert und zerstört und der diejenigen nicht entkommen können, die an das doppelte Joch von IWF und Neoliberalismus gefesselt sind, beide Ausdruck der ungerechten und irrationalen Wirtschaftsordnung, die der Welt aufgezwungen wurde.

Ohne den Sozialismus hätte nicht jeder Bürger das gleiche Recht, kostenlos jegliche Bildungs- und Gesundheitsleistung zu erhalten, um jeden Preis und ohne daß jemand irgendwann dafür gefragt wurde, welche seine religiösen oder politischen Ideen seien.

Ohne den Sozialismus hätten wir kein Land ohne Drogen, Bordelle, Spielkasinos, organisierte Kriminalität, Verschwundene, Todesschwadrone, Lynchakte oder außergerichtliche Hinrichtungen.

Ohne den Sozialismus könnten die kubanischen Familien ihre Kinder nicht gesund, gebildet und ausgebildet aufwachsen sehen, ohne Furcht davor, daß irgend jemand sie zur Droge oder anderen Lastern verführt, oder daß sie in der Schule durch die Hände ihrer eigenen Klassenkameraden sterben.

Ohne den Sozialismus wäre Kuba nicht – so wie dies heute der Fall ist – die festeste Barriere in der Hemisphäre gegen den Drogenhandel, und zwar sogar zugunsten der US-amerikanischen Gesellschaft.

Ohne den Sozialismus wäre Kuba nicht ein Land, in dem man seit 42 Jahren keine Repression oder Polizeibrutalität kennt, was so gewöhnlich ist in Europa und anderen Regionen, wo Anti-Aufstands-Fahrzeuge, Männer mit seltsamen Anzügen, die von einem anderen Planeten zu kommen scheinen, Schildern, Schlagstöcken und Gummigeschossen, Tränengas, Pfeffergas und anderen Mitteln gegen die Bevölkerung vorgehen.

Die westlichen Ländern haben Mühe zu verstehen, warum in Kuba nichts dergleichen geschieht. Sie haben nicht einmal die geringste Idee davon, zu welchem Beitrag für die menschliche Gesellschaft die Einheit, das politische Bewußtsein, die Solidarität, die Selbstlosigkeit und Großzügigkeit, der Patriotismus, die moralischen Werte und die Verpflichtung fähig sind, die aus der Bildung, der Kultur und der gesamten von einer wahrhaften Revolution erkämpften Gerechtigkeit hervorgegangen ist.

Ohne den Sozialismus hätten keine Hunderttausende von Kubanern internationalistische Einsätze abgeleistet, unser Vaterland hätte kein einziges Sandkorn zum Kampf gegen den Kolonialismus in Afrika beitragen können und seine Söhne hätten nicht einen einzigen Blutstropfen im Kampf gegen die scheinbar unbesiegbaren Kräfte des schändlichen Apartheidsystems, des Rassismus und des Faschismus vergossen.

Kein einziger von denen, die damals mit Südafrika und anderen Ländern dieses Kontinents – wo Kuba keinen Zoll Land besaß oder danach trachtete - Handel trieben, dort investierten und heute dort große Reichtümer besitzen, trug auch nur die geringste Quote an Opfern bei.

Nicht einmal die enorme Entfernung, die uns von Afrika trennt, war ein unüberwindbares Hindernis für den solidarischen Geist der blockierten und angefeindeten kleinen Insel.

Ohne den Sozialismus hätten weder mehr als 40 000 Beschäftigte des Gesundheitssektors ihre noble internationalistische Zusammenarbeit in mehr als 90 Ländern geleistet noch führte man heutzutage in 16 Ländern Lateinamerikas, der Karibik und Afrikas dank des von der Revolution geschaffenen immensen Humankapitals integrale Gesundheitspläne durch.

Ohne den Sozialismus hätten in kubanischen Universitäten keine 15 600 Studenten aus der Dritten Welt ihren Abschluß gemacht, noch absolvierten zur Zeit

11 000 Studenten aus diesen Ländern ihre Hochschulstudien in Kuba.

Ohne den Sozialismus gäbe es heute nicht die angesehene Lateinamerikanische Hochschule für Medizin, wo zur Zeit Jugendliche aus 24 Ländern und von 63 Ethnien studieren, noch immatrikulierten dort pro Jahr mehr als 2 000 neue Studenten.

Ohne den Sozialismus hätte man keine Internationale Hochschule für Sport und Körperkultur mit einer Kapazität für 1 500 Studenten, in der heute 588 Jugendliche aus 50 Ländern das erste Studienjahr absolvieren, eröffnet, noch gäbe es eine solche Einrichtung.

Ohne den Sozialismus wären in Kuba keine 19 000 Kinder und Erwachsene aus den drei vom Atomunfall in Tschernobyl im Jahr 1986 betroffenen Republiken betreut worden, die Mehrheit davon inmitten der Sonderperiode, und 53 Personen, die durch den radiologischen Unfall im brasilianischen Bundesstaat Goiás geschädigt wurden.

Was wir mit anderen Völkern geteilt haben, hat keinen einzigen unserer Landsleute daran gehindert, die Möglichkeit zu haben, den Millionen von Technikern der Mittelstufe und Universitätsabsolventen, über die Kuba verfügt, anzugehören. Dies beweist, daß man mit wenig viel machen kann, und daß man mit viel weniger Mitteln als denjenigen, die heutzutage auf der Welt für Werbung, Waffen, Drogen und exzessiven Luxuskonsum aufgewendet werden, alles machen könnte.

Ohne den Sozialismus wäre Kuba – wenn es dies auch nicht beabsichtigt hat – nicht zu einem Vorbild für viele Menschen auf der Welt und zu einem treuen und beharrlichen Fürsprecher der gerechtesten Anliegen geworden; ein kleines Land, welches das beneidenswerte Privileg besitzt, fast das einzige zu sein, das auf jeder internationalen Veranstaltung und Tribüne mit völliger Freiheit und ohne irgendeine Furcht vor Repressalien und Aggressionen die ungerechte Wirtschaftsordnung und die unersättliche, raubgierige, scheinheilige und unmoralische Politik der Regierung der hegemonialen Supermacht anprangern kann.

Ohne den Sozialismus hätte Kuba nicht den Anfeindungen von neun US-Präsidenten widerstehen können, die mit Ausnahme von Carter – ich muß dies mit aller Aufrichtigkeit sagen – feindselig oder äußerst aggressiv und feindselig gegenüber unserem Land waren. Man müßte noch denjenigen hinzufügen, der gerade den Präsidententhron bestiegen hat. Bei der Bewertung der ersten Schritte auf internationaler Ebene und dem Diskurs seiner Berater und Verbündeten der terroristischen Mafia in Miami wird deutlich, daß wir uns einer kriegerischen und jeglicher Ethik entbehrenden Administration entgegensehen könnten.

An einem Tag wie dem heutigen wäre es gut, an jenen unsterblichen Satz des Bronzenen Titan zu erinnern: „Wer versucht, sich Kubas zu bemächtigen, wird nur den Staub seines blutgetränkten Bodens aufsammeln, wenn er nicht im Kampf stirbt!" (Ausrufe und Beifall)

Das kubanische Volk von heute, Erbe seines Denkens, gemeinsam mit dem Denken von José Martí und einer ganzen Legion von Helden, die den bis heute beschrittenen langen Weg vorzeichneten, ist in der Lage zu bekräftigen, daß diejenigen, die den Versuch unternehmen, sich Kubas zu bemächtigen, heutzutage nicht einmal den blutgetränkten Staub unseres Bodens aufsammeln würden, weil sie keine andere Alternative hätten, als im Kampf zu sterben (Beifall und Ausrufe: „Fidel, Fidel, Fidel!").

Wie ich bereits sagte, sind die lateinamerikanischen Nationen zu diesem historischen Zeitpunkt gerade dabei, von den Vereinigten Staaten, die heute zur hegemonischen Supermacht geworden sind, verschlungen zu werden. In den nächsten Tagen, vom 20. bis 22. April, findet in Quebec ein Gipfeltreffen der Länder der Hemisphäre statt. Dort wird die hegemonische Supermacht versuchen, die Kapitulationsbedingungen für die Regierungen Lateinamerikas zu diktieren. Die Dokumente für ein Freihandelsabkommen zwischen den Ländern der Hemisphäre sind schnell erarbeitet worden. Die Vereinigten Staaten möchten den Festschmaus beschleunigen, die angestrebten Privilegien werden der Handelskonkurrenz und den Investitionen Europas und der asiatischen Industrieländer einen Riegel vorschieben. Die Strategie besteht darin, auf alle Kosten zu verhindern, daß sich der MERCOSUR konsolidiert und daß sich die Integration der Länder Südamerikas so entwickelt, daß sie mit sehr viel stärkerer Kraft mit den Vereinigten Staaten verhandeln können.

Die US-Regierung bevorzugt, mit jedem Einzelnen von ihnen getrennt zu verhandeln, unter Ausnutzung der wirtschaftlichen Schwäche, der bestehenden ungleichen Entwicklung, der untereinander vorhandenen Widersprüche und der verzweifelten Situation durch die diese Länder erstickende Auslandsverschuldung.

Aufgrund der totalen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten und den internationalen Finanzinstitutionen sind einige Länder nicht in der Lage, Widerstand zu leisten; andere sind sich der sie bedrohenden Gefahr, aufgesaugt zu werden, nicht bewußt, oder sie wollen keinerlei Widerstand leisten. Aber nicht alle sind bereit, einfach verschlungen zu werden, und es wird Widerstand geben.

Die dort vertretenen Völker – ein Großteil von ihnen in Unwissenheit, extremer Armut und Verzweiflung versunken – werden auf keine Weise an den Entscheidungen beteiligt sein und betrachten aus weiter Entfernung Verhandlungen, deren Ziele, Inhalt und Folgen sie nicht in der Lage sind zu erfahren und noch viel weniger zu verstehen. Die dringendste Aufgabe der politischen und gesellschaftlichen Führungspersönlichkeiten, der fortschrittlichen Wirtschaftswissenschaftler und Intellektuellen und aller linken Kräfte besteht heutzutage vielleicht in der Schaffung von Bewußtsein sowie der Anprangerung der imperialistischen Gefräßigkeit und des Risikos, dem die Völker Lateinamerikas und der Karibik unterworfen sind.

Wir, die wir auf die sozialen Realitäten und die Schwere und die Unlösbarkeit der Probleme aufmerksam geworden sind, die sich nie auf jene Weise lösen lassen und immer dramatischer werden, wissen, daß Lateinamerika und die Karibik zwar verschlungen, aber nicht verdaut werden können. Früher oder später werden sie wie die biblische Gestalt auf die eine oder andere Weise aus dem Bauch des Wals entkommen. Und das kubanische Volk würde sie dann draußen erwarten, da es vor langer Zeit lernte, in aufgewühlten Gewässern zu schwimmen, und weil es weiß, daß die Völker der Dritten Welt immer unregierbarer werden und die notwendigen Lösungen erzwingen, solange sich ihre Lebensbedingungen nicht radikal verbessern.

An einem Tag wie heute, während der Aufzählung des Werkes der Revolution, ist es erstaunlich zu entdecken, daß wir noch weit davon entfernt sind, die gesamte notwendige und mögliche Gerechtigkeit erreicht zu haben.

Die vergangenen Jahre haben unsere Erfahrung und unsere Kenntnisse seit damals außerordentlich bereichert. Vier Jahrzehnte von Kämpfen gegenüber enormen Schwierigkeiten haben unsere Überzeugungen und unser Vertrauen in den Menschen und seine unermeßlichen Möglichkeiten gestärkt.

Der Sozialismus, den wir heute entwerfen, übertrifft unsere Träume von damals bei weitem. Die Sonderperiode zwang uns, ein Stück des beschrittenen Weges zurückzugehen. Es entstanden schmerzhafte Ungleichheiten. Die am meisten Leidenden, diejenigen, die sich vor allem Anderen der revolutionären Sache am meisten verschrieben, unsere treusten Hand- und Kopfarbeiter, das einfachste und treuste Volk, die bewußtesten Revolutionäre, begriffen diesen unvermeidbaren Umstand, und wie es immer geschah und immer in schwierigen Zeiten zu geschehen hat, luden sie das Hauptgewicht der Aufgabe, das Vaterland und den Sozialismus um jeden Preis zu retten, auf ihre Schultern (Ausrufe).

Wir werden nicht nur viel höhere Ziele erreichen als diejenigen, die wir bereits erreicht hatten, sondern wir werden sie sogar noch übertreffen. Heute marschieren wir bereits in Richtung auf Ziele, von denen wir vor 40 Jahren nicht einmal hätten träumen können, und noch weniger in der äußerst schwierigen Etappe, die vor 10 Jahren begann und aus der wir siegreich hervorgehen. Ein neuer Tagesanbruch beginnt unsere Zukunft zu erleuchten; eine Zukunft, die brillanter sein wird, ein Sozialismus, der ausgefeilter sein wird, ein vielversprechenderes und tiefgreifenderes revolutionäres Werk.

Heute sind wir nicht gekommen, um dem 40. Jahrestag der Proklamation des sozialistischen Charakters der Revolution zu gedenken; wir sind gekommen, um ihn zu bekräftigen; wir sind gekommen, um erneut einen Schwur abzulegen.

Unter Verwendung genau der gleichen Worte wie an jenem unvergessenen Tag vor 40 Jahren frage ich euch: „ Arbeiter und Bauern, einfache Männer und Frauen des Vaterlandes, schwört ihr, diese Revolution der Armen, der Armen wegen und für die Armen bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen?" (Ausrufe: „Wir schwören es!")

„Hier, gegenüber dem Grab der gefallenen Genossen; hier, gemeinsam mit den sterblichen Überresten der heldenhaften Jugendlichen, Söhne von Arbeitern und armen Familien" – wozu ich heute zwei Sätze hinzufüge: in Erinnerung an alle in den letzten 133 Jahren für das Vaterland und die Gerechtigkeit Gefallenen, im Namen derer, die bei heldenhaften internationalistischen Einsätzen ihr Leben für die Menschheit gaben -, „bekräftigen wir unsere Entscheidung, daß wir alle - genau wie sie ihre Brust den Kugeln entgegenstreckten, genau wie sie ihr Leben gaben, wann die Söldner auch kommen mögen -, stolz auf unsere Revolution, stolz darauf, diese Revolution der Armen, der Armen wegen und für die Armen zu verteidigen, nicht zögern werden, sie gegenüber wem auch immer bis auf unseren letzten Blutstropfen zu verteidigen."

Immer bis zum Sieg!

Vaterland oder Tod!

Wir werden siegen!

(Ovation)