ERKLÄRUNG DER REGIERUNG KUBAS

 

Im Zusammenhang mit der angekündigten Entscheidung der USA, Kosovo-Flüchtlinge auf dem Gebiet des Militärstützpunktes von Guantánamo aufzunehmen, ist von Standpunkten berichtet worden, die irrtümlich der kubanischen Regierung zugeschrieben wurden. Es ist notwendig darauf hinzuweisen, daß diese Standpunkte ausschließlich persönlichen Charakter haben.

Die Regierung Kubas hat öffentlich keine Stellung zu dem Thema bezogen.

Die Regierung Kubas hat diesbezüglich von Anfang an einen Standpunkt vertreten, der sich nicht im geringsten mit dem deckt, was veröffentlicht worden ist. Im Hinblick darauf, daß das heikle Thema mit der gebührenden Diskretion behandelt werden muß, wurde davon abgesehen, den kubanischen Standpunkt in der Öffentlichkeit darzustellen.

Um unnötigen Mißverständnissen bezüglich der Haltung unseres Landes vorzubeugen, werden wir uns zu diesem Zeitpunkt darauf beschränken, folgendes darzustellen:

Kuba hat sich vom ersten Moment an seit Ausbruch der Krise in Jugoslawien und seit Beginn der brutalen Luftangriffe der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien strikt an eine Politik der Prinzipien gehalten und die Aggression energisch verurteilt.

Im Rahmen seiner sehr bescheidenen Möglichkeiten hat es, ohne großes Aufsehen erregen oder eine Führungsrolle übernehmen zu wollen, die Überzeugung vertreten, daß die Serben dem verheerenden NATO-Angriff widerstehen würden, und daß kein Waffensystem in der Lage sein würde, den Widerstand derjenigen zu brechen, die - von der Luft oder vom Boden aus angegriffen, die Unterstützung der Bevölkerung genießend -bereit sein würden, bis zum Ende zu kämpfen, wozu sie gegenüber einer modernen Militärtechnologie die angemessene Taktik anzuwenden wüßten. Und auch, daß sie bereits im Zweiten Weltkrieg gegenüber den Nazi-Horden ihre Kampfkraft und -fähigkeit unter Beweis gestellt hatten; daß der eingeschlagene Weg die NATO in einen endlosen Kampf und einen nicht zu rechtfertigenden und sinnlosen Völkermord im Herzen Europas verwickeln würde, den die öffentliche Meinung dieses Kontinents und der Welt nicht tolerieren würde.

In den Fällen, die wir für angemessen hielten, haben wir den entsprechenden Stellen unseren Standpunkt dargestellt, daß der begonnene Kampf nur eine politische und keine militärische Lösung haben könnte; daß im Hinblick auf die Geographie und die Umstände jegliche militärische Unterstützung Serbiens aus dem Ausland nur mit nicht-konventionellen Waffen möglich wäre, d.h. mit Atomwaffen, was nicht denkbar wäre.

Jeder neue Tag gibt dem von Kuba vertretenen Standpunkt recht.

Die erste große Tragödie nach dem Luftangriff gegen Jugoslawien am Abend des 24. März und nach der unmittelbaren Zuspitzung des Konflikts im Kosovo, war eine beeindruckende Auswanderungswelle der Zivilbevölkerung, deren Bilder von den Massenmedien in die Welt hinausgetragen wurde.

Hunderttausende Menschen, darunter Kinder und alte Menschen, Frauen und Männer, leiden jetzt bereits auf dramatisch sichtbare Art und Weise unter den Kriegsfolgen, ganz zu schweigen von den Millionen Zivilisten, die bereits seit zwei Wochen unter den gleichen Bedingungen im Kosovo, Serbien und Montenegro unter dem Terror des ohrenbetäubenden Lärms der Explosionen, der Zerstörung, der Brände und des unvermeidlichen Verlustes von Menschenleben aus der Zivilbevölkerung und den Streitkräften leben, die auf das Konto der Bomben und Raketen gehen, die aus allen Richtungen auf das hinuntergehen, was noch übrig ist von der noch vor wenigen Jahren aufblühenden und vereinten Sozialistischen Republik Jugoslawien.

Mitten im Winter ein Kraftwerk zu zerstören, das einer Million Menschen Strom und Wärme liefert sowie die Angriffe auf andere ähnliche Einrichtungen, die der ganzen Bevölkerung einen lebenswichtigen Dienst erweisen, ist sehr weit davon entfernt, ein militärisches Ziel darzustellen und ist auf dem besten Wege zu einem Völkermord auszuarten.

Nicht im entferntesten soll in dieser Erklärung erörtert werden, wer die Verantwortung trägt für das, was geschieht und für die Umstände, die dem vorausgingen.

Die unschuldigen Opfer, ganz gleich welcher Nationalität, Ethnie oder Religion, müssen sowohl inner- als auch außerhalb Jugoslawiens die größtmögliche Unterstützung erhalten. Kuba unterstützt ohne Zögern diese humanitäre Hilfe, ganz gleich woher sie kommt. Es wird keinerlei Hindernisse schaffen und ist sogar in dem Rahmen seiner Möglichkeiten, dort wo es erforderlich ist, zur Kooperation bereit.

Kuba unterstützt mit ebensolchem Nachdruck die dringende Suche nach einer vernünftigen und gerechten Beilegung des Konfliktes.

Der Krieg muß beendet werden, bevor es zu noch größeren menschlichen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Katastrophen kommt, die niemandem auf der Welt nutzen.

 

7. April 1999